Hainhofen
Ein schwäbisches Dorf im Internet
 
 
   
Geschichte


Die Entstehung Hainhofens

Hainhofen taucht zum erstenmal 1276 als Haienhoven auf. Hayenhoven, Hainhouen, Heimhofen und Hainhoven sind weitere Schreibweisen aus dem 14. und 15. Jahrhundert. Der Name selbst lässt sich am besten mit: "Bei den Höfen des Hago (Hagino)" übersetzen. Dieser Hago oder Hagino dürfte ursprünglich wohl aus Täfertingen stammen und der Begründer der Hainhofer Ausbausiedlung sein, wie bereits die Endung -hofen andeutet. Das Patrozinium St. Stephan lässt ebenfalls auf eine Entstehung des Ortes in fränkischer Zeit schließen. Eine Analyse von Entstehung und Verbreitung von Patrozinien im Bistum Würzburg weist Stephan neben Salvator, Maria, Johannes, Petrus Michael und Andreas als Grundpatron der Missionszeit aus. Diese Erkenntnisse lassen sich zum Teil auch auf das Augsburger Bistum übertragen, besonders was die zeitliche Einordnung der Kirchenheiligen betrifft.
Der Heilige Stephan taucht urkundlich zwar erst 1762 im Schematismus auf, die Dorfkirche geht in ihren Ursprüngen aber schon auf das 14. Jahrhundert zurück, wie gotische Wandmalereien im ehemaligen Chorturm belegen. Die jahrhundertelange Kontinuität im Kirchenbau lässt es wahrscheinlich erscheinen, dass wir es bei dem genannten Patrozinium auch mit dem ursprünglichen zu tun haben.
Ortsname und Kirchenheiliger deuten auf die Zeit der fränkischen Reichs- und Kirchenorganisation hin. Gestützt wird diese These durch die Tatsache, dass Hainhofen zum altbischöflichen Besitz zählte, der hauptsächlich auf einer Schenkung Pippins Mitte des 8. Jahrhunderts beruhte.
Hainhofen kann somit als eine Siedlung des 7. oder 8. Jahrhunderts gedeutet werden, die ursprünglich wohl von Täfertingen ausging.



Ortsbeschreibung aus der Zeit um 1570

Hainhofen, ain Dorff gehört mit Niderer Oberkeit Bernhart Rehlingen selligen Erben in Augsburg zue, hat 34 feuerstätten und der würdt daselbst gibt Ime vom Augspurgischen Aimer 5 Maß Umgelt.


Hainhofen im Dreißigjährigen Krieg

Auch Hainhofen wurde in den Nachgefechten der letzten großen militärischen Auseinandersetzung, dem Treffen bei Zusmarshausen (17. Mai 1648), berührt. Die kaiserliche Reiterei floh vor den Schweden und Franzosen in die Gegend von Schlipsheim und Hainhofen, wo bayerische Abteilungen standen, um für den Rückzug der kaiserlichen Armee nach Augsburg den Übergang über die Schmutter zu decken. Die nachrückenden Schweden und Franzosen schlugen dann bei Biburg, Schlipsheim und Hainhofen ihre Lager auf. Die Kaiserlichen und die Bayern verschanzten sich östlich des Lechs, die Schweden und Franzosen lagerten zwischen Wellenburg, Leitershofen und Stadtbergen. Am 22. Mai zogen sie über Neusäß, Täfertingen und Gersthofen nach Norden.


Ortsbeschreibung von 1721

Die Beschreibung des Berittes von 1721 fällt zunächst dadurch auf, dass sie auf die Zahl der Feuerstätten zu Beginn des 17. Jahrhunderts abstellt und so die Ortsentwicklung der letzten 100 Jahre hervorhebt.
Hainhofen - ein Dorf worinnen 41 Feuerstätt, ohne das Schloß, welches mit der Nidergerichtlichen Obrigkeit Herrn Baron v. Rehling gehörig, und hoche Obrigkeit der Markgrafschaft Burgaw, hat Eine Preustatt und Zapfn, dan ist allda Eine mühl, welches dem Herrn von Rehling zuständig.





Auf diesem Stich um das Jahr 1750 im Hintergrund zu erkennen: das Pfarrdorf Hainhofen, das zur damaligen Zeit neben der Pfarrkirche und dem Schloss unter anderem 1 Wirtshaus und 4 Höfe aufwies.






Hainhofen im Königreich Bayern

Die Rehlingsche Besitzung Hainhofen wurde am 30. Dezember 1805 vom Landgericht Zusmarshausen unter bayerische Souveränität gestellt. Den Herrschaftsinhabern wurde der Bestand ihres Eigentums und ihrer Rechte, soweit sie mit der Territorialhoheit nicht kollidierten, vorläufig zugesichert, im übrigen wurde eine generelle Regelung ihrer Stellung auf ruhigere Zeiten vertagt.


Im Jahre 1818 war Hainhofen auf 53 Häuser gewachsen und zählte 287 Einwohner.



Gebietsreform und Stadterhebung

Am 3. Februar 1972 wurde im Zusammenhang mit der Gebietsreform aus den Gemeinden Hainhofen, Alt-Neusäß, Hammel, Westheim und Schlipsheim eine neue Kommune unter dem Namen Neusäß gebildet. Später kamen noch Steppach, Täfertingen und Ottmarshausen dazu.
1988 kam es dann zur Stadterhebung von Neusäß - seitdem ist Hainhofen Stadtteil von Neusäß.



Die Pfarrkirche in Hainhofen

Bis 1718/19 hatte Hainhofen eine Chorturmkirche. Die drei kräftigen Rundbögen über der Nische in der Südwand lassen noch an die romanische Epoche denken. Im späten 14. Jahrhundert wurde der Raum mit Fresken bemalt. Um 1500 wurde der Chor erhöht und mit einem Sternrippengewölbe abgeschlossen, dessen Schlussstein das Wappen des Orts- und Patronatsherrn Hans Walter und seiner Gemahlin Magdalena Langenmantel ziert.
Der Turmaufbau wurde in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts umgestaltet, offensichtlich in Zusammenhang mit der Anschaffung der neuen großen Glocke unter Anton Fugger. Am 10. Mai 1718 begann man mit dem Neubau eines Langhauses, dem im Jahr darauf der neue Chor folgte. Den alten Turm ließ man stehen und nützt seitdem sein Untergeschoss als Sakristei. Nach Anbringung des Stuck und der Fresken wurde die Kirche am 1. September 1723 geweiht.



Das Schloss Hainhofen

Das heutige Schloss Hainhofen entstand an der Stelle eines bereits im 13. Jahrhundert gebauten Wasserschlosses und enthält im Kern noch Mauerreste der frühesten Anlagen. Die ersten Besitzer wurden 1276 urkundlich erwähnt. In den folgenden Jahren nutzten die Familien von Langenmantel, Walther Sulzer, Rehlingen und Hörwarth das Schloss als Landsitz. Anton Fugger kaufte im Jahr 1582 das Schloss und ließ es im Renaissancestil umbauen.

1601 übernahm Wolfgang Paller das Schloss, dessen Tochter in die Familie Rehlingen einheiratete. Somit wurde Markus Konrad Rehlingen ab 1624 der Besitzer. Zwischen 1638 und 1641 ging der Besitz für kurze Zeit verloren, da Paller evangelisch war (Restitutionsdelikt). 1649 wurde Leonhard Sulzer Besitzer des Anwesens, 1650 erhielt Max Ferdinand Rehlingen das Schloss zurück, da er zum katholischen Glauben übertrat. Von 1721 bis 1970 war das Schloss Hainhofen ununterbrochen im Besitz der Familie Rehlingen.

Ab der 30er Jahre verkaufte Baron von Human, der in diese Familie eingeheiratet hatte, das gesamte Schlossinventar, verpachtete die Besitzungen und vermietete das Hochschloss von 1948 bis 1961 an die Arbeiterwohlfahrt als Flüchtlingsaltersheim und zwei Jahre als Schlosscafe. In den 60er Jahren diente es gar als Schönheitsfarm.

1970 wurde das Schloss an einen Herrn Gutenberg verkauft, der das Gebäude bis 1983 an den Orden der Tempelritter und die Baghwan-Sekte vermietete. Nach dieser wechselvollen Geschichte stand das Schloss ohne Verwendung leer, dann wurde das Hochschloss versteigert und privat verwendet.


(Aus: "Wenn Mauern sprechen könnten" von Jutta Kaiser-Wiatrek)


Das Hainhofener Wappen

Schwarz/Gold geteilt; oben in Schwarz eine goldene Lilie, unten in Gold zwei schwarze Schrägbalken (Wappen des einstigen ortsadeligen Geschlechts).

 
 
Quellen: "Neusäß - Die Geschichte von acht Dörfern auf dem langen Weg zu einer Stadt" © Stadt Neusäß 1988
  "Wenn Mauern sprechen könnten" von Jutta Kaiser-Wiatrek